Maxwells Dämon frißt seine Eltern


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artificial madness newsletter

Da viele Leser der AM-Reports sich und anschließend auch uns immer wieder fragen, wie es kommt, daß wenige Vertreter der AM so unglaubliche Erkenntnisse hervorbringen, wo eine Unmenge an Wissenschaftlern- abgesehen von Atomphysik, Quantentheorie, Raumfahrt, Antibiotika, Transplantationschirurgie und ein paar technologischen Errungenschaften- faktisch auf der Stelle tritt, folgt hier ein Erklärungsansatz, der natürlich nicht als ausschließlich zu sehen ist.

Es drängt sich beim Vorgehen der beiden Gruppen der Vergleich zwischen Adler und Ameise auf.

Wie Adler sind AM-Forscher durchwegs Einzelgänger und vor allem schwindelfrei, wohingegen die Wissenschaft einem Heer von Ameisen gleicht, die mühsam Steinchen für Steinchen sammeln und dabei niemals den Boden der Realität verlassen können.

Damit hat die Wissenschaft im Vergleich zur AM-Forschung praktisch eine Dimension weniger, da sie weder allzu tief in die Materie eindringen können (was der Adler schon gar nicht tut) noch sich über die Realität erheben können.

Die Wissenschaft gelangt damit allzu leicht in die Versuchung, den Charakter des Radiosprechers aus dem Schaltplan des Apparates ableiten zu wollen.
Ausgehend von den empfangenen Schallwellen über die offensichtlichen Analogien zu den Elektronenbewegungen in den Leiterbahnen geführt, verstricken sie sich rasch in hochkomplexen Beschreibungen des Verhaltens einzelner Bauelemente.


In dieser Situation wird allzuleicht die umgebende Realität zum Anhaltspunkt, Schwingkreise gleichen dem Hirn, die Batterie wird zum Herzen und die elektrischen Leiter je nach persönlicher Vorbildung des Forschers zu Nerven- oder Blutbahnen. Die Antenne, da eine Sackgasse, hat offensichtlich keinen Sinn, bringt jedoch minimale und dennoch störende Unregelmäßigkeiten in das System, kann also wie ein Blinddarm betrachtet werden.

Dieselbe Problematik findet sich beim 2. Hauptsatz der Thermodynamik wieder, demzufolge Wärmeenergie von alleine nur vom wärmeren zum kälteren System übergehen kann. In Maxwells Paradoxon erfindet der Wissenschafter einen Zwerg, den er im Wissen um seine Gefährlichkeit für die Wissenschaft Dämon tauft, dem es ohne Naturgesetze zu umgehen möglich ist, dem 2. Hauptsatz der Thermodynamik zuwiderzuhandeln.
Doch anstatt nun diese Annahme, auf der zahlreiche, selbst quantenphysikalische Theorien beruhen, einfach aufzugeben, erklärt man die Fähigkeit Maxwell's Dämons mit seinen, ihm aufgrund seiner speziellen Situation möglichen Beobachtungen und dem damit verbundenen Entropieverlust, sprich Wissenszuwachs.

Der 2. Hauptsatz der Thermodynamik ist damit gerettet, da er aufgrund unseres begrenzten Wisses gilt. Damit ist ein Gutteil des wissenschaftlichen Erkenntniszuwachses nur richtig, da und solange wir weniger beobachten können und damit weniger wissen als Maxwell's Dämon.


In dem Augenblick, wo unser Wissen ausreicht, wird alle Erkenntnis die uns dahin führte schlagartig falsch, womit wir wiederum von vorne beginnen können.

Es kann schon vorkommen, daß man nach Graz unterwegs ist und in Salzburg merkt, daß man die falsche Autobahn erwischt hat. Die Situation der Wissenschaft ist jedoch mit Verlaub etwas dümmer. Sie wissen bereits in Pressbaum, daß sie in Salzburg wissen werden, daß sie auf der falschen Autobahn waren.

Aber sie wissen auch, daß sie das eben erst dann wissen werden.

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