Die Unwahrscheinlichkeit des Lebens

Nik / Amiga (Artificial Madness Institut Gaweinstal)

Da ich selbst nicht gerade ein Vorreiter der Wahrscheinlichkeitsrechnung bin, rief ich vor wenigen Tagen einen Spezialisten unserer mathematischen Grundlagenforschung zu mir, um ihn mit hochgehobenem Würfel und folgender Frage zu konfrontieren:
Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, mit diesem Würfel in einer Serie und in der angegebenen Reihenfolge die Kombination 4-2-5-3-2-1-6-3 zu würfeln ?
Nach kurzer Unterhaltung mit seinem Rechenschieber teilte mir der Kollege mit, die Wahrscheinlichkeit liege in ca. bei 1 : 1,68 Millionen.

Man kann sich sein Erstaunen vorstellen, als ich ihm darauf mitteilte, daß ich aber, ganz ohne Absicht und nur so nebenbei, mehr aus momentaner Langweile heraus, vor wenigen Minuten exakt diese Kombination gewürfelt hatte; und zwar im ersten Versuch und ohne jede Vorbereitung !

Sofort und in Anwesenheit des Kollegen begann ich einen 2. Versuch.
3 2 5 5 1 6 2 4

Kurzes Nachrechnen ergab eine ebenso geringe Wahrscheinlichkeit wie bei meinem ersten Versuch.
Wir hatten beide nicht damit gerechnet, ein derart unwahrscheinliches Ergebnis wiederholen zu können, aber die Formel bestätigte uns. Nur in einem von 1.678.616 Versuchen war diese Kombination zu erwarten !!!

Nach kurzer mentaler Vorbereitung machte ich einen Versuch mit 16 Würfen:
6 2 1 3 2 5 6 4 5 2 3 1 4 4 5 2

Für einen Katholiken ist es 1000 mal wahrscheinlicher, Papst zu werden, als exakt diese Kombination zu würfeln.

Die sensationelle Entdeckung warf nun einige Fragen auf:

Wenn es also möglich war, praktisch unvorbereitet und ohne spezielle Maßnahmen derart unwahrscheinliche Ereignisse zu produzieren, welche Rückschlüsse auf das tägliche Leben, in dem ja viele Möglichkeiten ausschließlich in Wahrscheinlichkeiten angegeben werden, ließen sich daraus ableiten ?


Die nun folgende Recherche stellte meinen Kollegen zwar vor technische Probleme, (unter anderem erreichte sein Rechenschieber nicht die geforderte Genauigkeit), war aber notwendig, um eine praktische Anwendbarkeit der erzielten Erkenntnisse zu erreichen.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, daß eine Frau mit 23 Jahren, 3 Monaten und 7 Tagen einen Mann heiratet, der exakt 3 Jahre, 2 Monate und 17 1/2 Tage älter ist, und das an einem 9. Mai 1949 um 11:30 Uhr. Und das ganze noch an einem ganz bestimmten ort.

Sowas kann in der Menschheitsgeschichte höchstens einmal vorkommen.

Aber so unwahrscheinlich das ganze klingt, geht es ja noch weiter: Denn mit exakt 29 Jahren, 7 Monaten und 21 Tagen bekommt diese Frau ihr 5. Kind, zufällig an einem Ort genau 23km und 634 m von der Kirche entfernt, in der damals geheiratet wurde und die wiederum auf den Tag genau 4 Jahre 2 Monate zuvor renoviert wurde.

Wie groß ist nun die Wahrscheinlichkeit, daß es dieses Kind tatsächlich gibt ?
Wenn man dabei noch berücksichtigt, daß das Auto der Familie zu diesem Zeitpunkt genau 2178 Tage alt war und der älteste Bruder am Tag der Geburt 1956 Tage ?

Für die Beantwortung der Frage erbat mein Kollege einige Tage Zeit, um anschließend zu bestätigen:

Selbst wenn es 1000 Erden gäbe, wäre die Wahrscheinlichkeit, auf einer einzigen diese Konstellation irgendwo vorzufinden, so gering, daß er nicht mal seinen Rechenschieber darauf wetten würde.


Und doch ist es passiert ! Man fühlt sich übrigens gut, wenn man weiß daß die eigene Existenz auch mathematisch als ein Wunder einzustufen ist.

Letzten Abschätzungen zufolge dürfte das zudem nicht das einzige sein. Da sich die Beobachtungen absolut unwahrscheinlicher Ereignisse häufen, scheint es so, daß gerade die wahrscheinlichsten Ereignisse überhaupt nicht eintreten.

Selbst das banalste Alltagsereignis zeigt bei näherer Betrachtung seiner Rahmenbedingungen, daß es alles andere als wahrscheinlich ist, daß es passieren konnte.

zur AM-Startseite zum Institutsneubau