Humanoidenbefall beim Automobil


aus "Internationale Seuchen der Neuzeit"
Artificial madness Initiative / Nik

Unter den Weltbewohnern hat das Automobil zwar die kürzeste, aber dennoch eine recht beachtliche Entwicklungsgeschichte hinter sich.
Obwohl erste Exemplare, die man als die Ahnen der heutigen Autos bezeichnen kann, vor kaum 100 Jahren gesichtet wurden, hat das Automobil mittlerweile alle Kontinente erobert und tritt in einer unwahrscheinlichen Artenvielfalt auf.

Es hat eine durchschnittliche Lebenserwartung von 8 bis 15 Jahren, wobei jedoch auch Exemplare mit über 50 Jahren vorkommen.


Das Auto lebt in einer Art Symbiose mit Humanoiden. Diese Symbiose scheint für das Automobil überlebensnotwendig, da sie fast ausschließlich in Gegenden zu finden sind, in denen sich auch Humanoiden aufhalten.

siehe dazu auch: "Das Auto als Kulturfolger" aus "Der Golfkrieg am Walserberg" 1988/1

Doch obwohl diese Symbiose für das Auto aus einem für uns noch nicht erkennbaren Grund Vorteile bringt, scheint doch der übermäßige Befall durch Humanoiden zahlreiche automobile Erkrankungen mit sich zu bringen.

Automobile, die keinen Befall aufweisen, verhalten sich relativ ruhig, wohl auch weil sie durch einen Panzer geschützt kaum natürliche Feinde haben. Angriffe wurden nur von Artgenossen beobachtet, die jedoch , und das scheint uns ausschlaggebend, zum Zeitpunkt des Angriffs unter Humanoidenbefall litten.

Humanoiden wiederum haben als einzige uns bekannte Lebewesen eine Entwicklung durchgemacht, die es ihnen erlaubt, diesen schützenden Panzer zu knacken.
Sie besitzen Fortsätze, an deren Enden sie Metallspitzen fixieren, mit denen sie in Poren des Panzers eindringen um anschließend durch geschickte Drehbewegungen ganze Platten aus ihrer Verankerung zu hebeln.
Durch die so entstandene Öffnung dringt der Humanoid nun in das Automobil ein.
Dabei dringen oft auch mehrere Humanoiden durch dieselbe Öffnung ein, im Regelfall schafft sich jedoch jeder seinen eigenen Zugang.


Dieser Befall, so dramatisch er scheint, ist jedoch für das Automobil nicht letal, da die inneren Organe eine weitere Schutzschicht aufweisen.
Solange der Befall in den bisher beschriebenen Grenzen bleibt, kann man sogar Vorteile erkennen, da der Humanoid seinen Wirten pflegt, wobei er sich besonders sorgsam um den Panzer sorgt. Der Vorteil für den Humanoiden steht dabei außer Frage, da er, selbst ungeschützt und von zahlreichen Feinden umgeben, diesen Panzer als Schutzschild verwendet. So verschließt er die durch sein Eindringen entstandenen Löcher wieder sorgsam.

Mit den bereits erwähnten Metallspitzen hat der Humanoid jedoch Wege gefunden, durch Eindringen in die innere Panzerung des Automobils direkt in die Nervenbahnen einzugreifen. Durch geschickte Drehbewegungen entstehen Impulse im Zentralnervensystem des Automobils, unter denen das derart gequälte Mobil zu jammern beginnt, laut aufheult und schließlich durch wilde Flucht seinem Peiniger abzuschütteln versucht. Das Automobil schießt dabei ziellos durch die Gegend; doch gelingt es ihm nur in den seltensten Fällen, seine Peiniger auf diese Art loszuwerden, oft muß es den zumeist erfolglosen Versuch mit dem eigenen Leben bezahlen.

In der gemäßigten Form kommt es oft auch zu einer lebenslangen Symbiose, in der sich Vor- und Nachteile für das Automobil die Waage halten dürften.

Doch auch wenn der Befall selbst für das Automobil nicht tötlich ist, sinkt dadurch die Lebenserwartung und es treten Erkrankungen auf, die dem Immunsystem eines nicht befallenen Automobils nichts anhaben könnten.


Als Beispiel sei hier Inflamatio aqua coronaris erwähnt, eine in Europa vor allem in den Alpen vorkommende Erkrankung. Symptome sind erhöhte Temperatur bis zu Fieberzuständen, sowie Schweißausbrüche, verbunden mit allgemeiner Mattigkeit, in extremen Fällen hat das Automobil Schaum vor dem Kühler, es können auch Risse in der Herzkammer auftreten, die einen raschen Tod zur Folge haben. In jedem von uns beobachteten Fall lag jedoch bereits vorher ein Humanoidenbefall vor. Auch die extrem hohe Suizidrate unter Automobilen ist ausschließlich auf diesen Befall zurückzuführen.