Sprachforschung
Tips


Verständnis der deutschen Sprache

Ein großes Anliegen der AM ist die korrekte Anwendung der Sprache, vor allem, da es für uns die einzige Möglichkeit darstellt, unsere Erkenntnisse einer breiten Öffentlichkeit darzustellen.

Durch zahlreiche undokumentierte Anpassungen und Erweiterungen der Sprache sind viele redundante Ausdrucksweisen entstanden, deren Eindeutigkeit nur bei Abgleich der verwendeten Begriffe hergestellt werden kann. Dies geschieht in der Praxis nicht und wenn, dann eher nur unzureichend. Unzulässigerweise wird eine grundsätzliche Übereinstimmung angenommen.

In vielen Fällen (z.B. Plakate, Rundfunk) ist ein Dialog und damit ein Abgleich auch gar nicht möglich.

Die folgenden Tips sind als Hilfe in derartigen Situationen gedacht:

a) Zerlegen Sie den Satz

Auch wenn der Satz vorher noch ganz klar schien.

Als Beispiel eine Rundfunkmeldung:
"Der Minister kann mit der Unterstützung seiner Kollegen rechnen".

Subjekt - Prädikat: "Der Minister kann rechnen". Soweit alles verständlich.

Es bleibt das Fragment "mit der Unterstützung seiner Kollegen".

Eine Beifügung.

In diesem speziellen Fall eine Einschränkung, da es nicht erwähnenswert wäre, wenn er dazu nicht seine Kollegen benötigen würde.

Obwohl hier ein bewußt einfaches Beispiel gewählt wurde, ergibt die korrekte Zerlegung des Satzes interessante Aspekte.

b) Wir -uns, etc.

Oft entsteht hier ein Irrtum, da sich der Leser/Zuhörer nicht in die Lage des Schreibers/Sprechers versetzt, sondern das gelesene/gehörte WIR auf sich bezieht. Dies mag im Dialog oder persönlichen Briefen zwar korrekt sein, jedoch der Author eines Plakates bzw. der Sprecher im Radio kann nicht wissen, wer den Satz wann aufnehmen wird und meint daher sicherlich NICHT den Leser/Zuhörer.

Verhelfen Sie sich selbst zu einem besseren Verständnisund vermeiden Sie Irrtümer, indem Sie statt UNS oder WIR den Namen des Autors einsetzen.

Nur diesem Mißverständnis verdankt eine österreichische Partei, daß es zu keinen Ausschreitungen kam, als Sie den Text "Hand aufs Herz, es geht UNS besser als je zuvor" plakatieren ließ.

Auch ein Satz wie "Er sagt, was WIR denken" ist genau betrachtet gar nicht so reizvoll.

Spezielle Aufmerksamkeit sollte man bei der Verwendung der Worte NICHT und NICHTS walten lassen. Beide Worte sollte man unter allen Umständen vermeiden.

c) z. B. NICHT Berühren!

Ein Imperativ, also eine Aufforderung.

Wenn wir die menschliche und durch Anwendung eines Imperativs angestrebte Reaktion untersuchen, erkenn wir drei Phasen:

  1. Übertragung des Imperativs
    Dies geschieht meist durch Lesen von Geschriebenem oder Hören gesprochener Worte.
  2. Ausführung der Aufforderung
    Nach erfolgter Übertragung des Kommandostrings wird die Ausführung, meist verbunden mit einer Unterbrechung (Interrupt) der aktuellen Tätigkeit, gestartet.
  3. Ende der Interruptsequenz und Rückkehr zum Status vor Interruptausführung

Ein aus der Tafelforschung bekanntes Beispiel:

Sie befinden sich in einem Raum. Plötzlich leuchtet eine Tafel mit der Aufforderung "Bitte eintreten" auf. Augenblicklich erfolgt eine Übertragung (Phase a). Nachdem die Aufforderung ausgeführt wurde, können Sie zu Ihrer ursprünglichen Tätigkeit, sich im Raum zu befinden, zurückkehren.

ACHTUNG!

Der folgende Test ist nur eine Annahme! Jede praktische Umsetzung ist, wie Sie selbst sehen werden, gefährlich und daher zu unterlassen.

Ersetzen wir also in unserer Vorstellung die Tafel "Bitte eintreten!" durch "Bitte NICHT eintreten".

Wieder erfolgt eine Übertragung (Phase a) und die entsprechende Aktion wird unter Aussetzung der aktuellen Tätigkeit gestartet.

Nach Phase c) könnte die Versuchsperson wieder in den Ausgangsstatus zurückkehren.

Jedoch genau diese Phase fehlt.

Die Aufforderung BITTE NICHT Eintreten! hat kein Ende.

Daher befindet sich die Person ab diesem Zeitpunkt in einem Interruptstatus, aus dem es keinen Rücksprungpunkt gibt.

Nur durch abnormale Ereignisse, auf die man sich jedoch nicht verlassen kann, konnten die, wie ich betonen möchte Freiwilligen, in den Ausgangsstatus zurückgeholt werden.

Ein besonders beachtenswertes Beispiel bildet die Aufforderung NICHT LESEN!, die immer in einem Error-Status mündet.

d) NICHTS

6 Buchstaben, 1 Vokal, Hauptwort, sächlich;

Gegenteil: Alles;

Leere Menge (Mengenlehre); kann durch uneingeschränktes Wegnehmen erzeugt werden. Durch Beigabe von Etwas entfernbar.

Interpretationsschwierigkeiten bei Sätzen, die dieses Wort enthalten, können leicht durch Beifügung des neutralen Wortes selbst (subtraction envelope leaving basic sense transparent) behoben werden.

Je nach Stellung des Wortes innerhalb des Satzes können damit unterschiedliche Aspekte der Aussage betrachtet werden.

Beispiel :

"Butter kann durch NICHTS ersetzt werden".

Variante 1: Selbst Butter kann durch NICHTS ersetzt werden.

Variante 2: Butter kann selbst durch NICHTS ersetzt werden.

Wer würde mit so einem Satz Werbung machen ?

Unserer Meinung nach ist ein hoher Prozentsatz der jährlichen Scheidungen auf eine mißverständliche Interpretation des Satzes "NICHTS ist mir wichtiger als Du" zurückzuführen.

Sollten Sie noch weitere praktische Tips zum besseren Verständnis der Sprache erhoffen, darf ich Sie beruhigen:

"Nichts kann uns daran hindern, diese Serie fortzusetzen!".

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